MS Andante


Zweite Woche: 28.05 bis 03.06.

Minden – Bad Essen

Und was geschah? Pünktlich um 9 Uhr wurde die Andante auf dem Bootstransporter aus dem Wasser gezogen. Ullis prüfender Blick – schon standen wir als parkendes Wasserfahrzeug auf dem Autoparkplatz, hatten aber eine wunderbare Sicht von oben auf das Geschehen im Hafen. Es geschah erst einmal nicht viel, doch wir bekamen Besuch von Klaus’ Schulfreunden aus Hannover und konnten Kaffee und Kuchen und die Gespräche über gestern und heute mit Fernblick genießen. Die sanitären Anlagen an Bord waren natürlich nicht nutzbar, so dass wir immer den Weg Leiter abwärts über das Hafengelände zum Sanitärbereich auf uns nehmen mussten. Wir duschten auch kalt, da wir in der Frühe keine Duschmarken erstehen konnten. So unternahmen wir Ausflüge nach Minden und Spaziergänge über die Felder, denn Ulli kam immer erst nachmittags zum Arbeiten. Am frühen Morgen des Dienstag hörte ich morgens sehr früh ein Plätschern und Brummen im Schiff. Nachdem ich die Wasserpumpe ausgestellt hatte, schauten wir nach und stellten fest, dass irgendein Schlauch lose war. Die Schelle musste festgezogen oder erneuert werden. Wir standen etwas verzweifelt da, doch wir duschten erst einmal und setzten uns zum Frühstück. Nach dem Kaffee ging es mit dem Wasserschöpfen besser. Ich musste mich durch den Motor zwängen, denn es ist nicht einfach, in alle Ecken zu kommen. Wie viele Liter das letztendlich waren, konnten wir nicht mehr feststellen. Zu allem Unglück kam dann auch noch das Wasser von oben, so dass Ulli zwar die Ersatzteile hatte, aber auch nicht weiterarbeiten konnte oder wollte. Er musste sich dann ja noch unseres Boilers annehmen. Die Besatzung der Victoria rief an, ob wir uns evtl. am Nassen Dreieck treffen könnten. Aber das mussten wir natürlich absagen, denn der Zeitpunkt für unsere Weiterfahrt war noch nicht klar.

Ein spärliches Abendessen und dann in die Koje. Es wurde eine unruhige Nacht, denn ein Gegrummel in meinem Bauch ließ mich Ungutes ahnen und das in einem Schiff hoch und trocken, so dass die sanitären Anlagen etwas umständlich zu erreichen waren. Auch diese Nacht ging vorbei und der nächste Tag sah wieder etwas freundlicher aus. So erledigten wir die Wäsche, machten Einkäufe und fuhren mit dem Fahrrad in die Innenstadt. Jedenfalls war dann doch schon mal abzusehen, dass die Arbeiten an Bord dem Ende zugingen. Den Vatertag verbrachten wir dann noch im Hafen, weil man uns warnte, dass man auf dem Mittellandkanal von den Möchtegern-Vätern mit Flaschen beworfen würde und noch so einige andere Untaten vollbracht würden. Also wurde der Start auf Freitag verschoben. Die Sonne schien wieder und wir freuten uns auf die Weiterfahrt. Jedenfalls kam Kalle gegen 17 Uhr und brachte unser Schiff ins Wasser. Ulli wollte vor unserem Auslaufen noch eine Probefahrt mit uns machen, was aber nicht klappte, da er länger arbeiten musste. So machten wir uns am Freitag um 12 Uhr auf den Weg. Auch schön, wieder auf Tour zu sein. Natürlich kontrollierte Klaus unterwegs die Bilge und siehe da, es lief Wasser ins Schiff, das Klaus mit ein paar Umdrehungen am Wellenlager und Schöpfen zu beheben hoffte. Um ca. 15.30 landeten wir in Bad Essen an, wo uns Aldi alles verkaufte, was wir benötigten, sogar Spargel für das Abendessen. Die Nachbarn am Anleger kamen auf ein Glas Wein an Bord, und wir hörten zum ersten Mal, dass die Mecklenburgische Seenplatte nicht gefiel. Frankreich wäre besser. Nun, es ist eigentlich nicht zu vergleichen. Aber jeder wie er mag. Wir jedenfalls wollten uns am nächsten Morgen endlich bis km 4, ca 60 km von hier, kurz vor dem Nassen Dreieck, durchschlagen.