MS Andante


Erste Woche: 21.05. bis 27.05

Berlin – Brandenburg – Burg – Rühen – Sehnde – Idensen – Minden-Hahlen

Der Start war ziemlich hektisch, da die Andante erst eine Woche vor der geplanten Abfahrt ins Wasser kam und somit die Zeit bis zur Abfahrt am 21.05. ziemlich kurz war. Demzufolge hatten wir alle Hände voll mit Putzen und Einräumen zu tun. Nach dem Frühstück in der heimischen Küche am Sonnabend Morgen ging es dann los, Taschen und Koffer mussten ins Auto. Wahrscheinlich nehmen wir wieder zu viel mit, aber man weiß ja nie genau, wie sich das Wetter entwickelt. Das schlimmste aber ist die Schlepperei über den Steg und das Hieven über die Reling. Am nächsten Morgen sollte es erst los gehen und den Tag wollten wir beim Essen im italienischen Restaurant ausklingen lassen. Plötzlich standen Gisela und Burkard vor uns und wir beschlossen den Abend gemeinsam beim Italiener. Das Wetter zeigte sich am nächsten Morgen von der besten Seite und wir starteten zeitig Richtung Brandenburg, wo wir glücklicherweise einen Platz am Slawendorf ergatterten. Da das Ufer an der Jahrtausenbrücke neu gebaut wird, fielen dort die Anlegeplätze weg und es wurde eng. Holländische Bootsfahrer fragten nach unserem Ziel und als sie von unserem Vorhaben hörten, schenkten sie uns noch ein Informationsheft mit Touren in Friesland. Zum Abend regnete und gewitterte es noch recht heftig, aber der angekündigte Hagel blieb aus.

Am folgenden Tag war es ziemlich kühl und die Andante war mit Blättern und kleinen Zweigen übersät, was erst einmal weggeräumt werden musste. Wir machten uns dennoch rechtzeitig auf den Weg, denn schließlich sollte es bis Burg gehen. Der Schleusenmeister der Schleuse Wusterwitz war nicht gerade gut gelaunt und ließ das Wasser viel zu schnell einlaufen, so dass wir ziemliche Mühe beim Fieren hatten. An der nächsten Schleuse Zerben wurde bzw. wird gebaut, aber wir wurden vom Meister schon mit freundlichen Worten am Anleger empfangen und er rief uns auch bald zur Einfahrt, plauderte nett mit uns und wünschte einen schönen Urlaub. Geht doch! Gegen 16.30 erreichten wir Burg und wurden beim Anlegen wieder von netten Niederländern empfangen, die natürlich auf dem Weg nach Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern waren. Und die Sonne lachte dazu. Ein kleiner Spaziergang, ein schönes Abendessen, so kann es bleiben. Als wir uns am nächsten Morgen nach Dusche und Frühstück von den Nachbarn verabschieden wollten, um die Weiterfahrt Richtung Wolfsburg in Angriff zu nehmen, wurden wir zu dem üblichen holländischen Kopje Koffee eingeladen. Wir bedankten uns mit einigen Informationen für ihre weitere Fahrt und mussten uns dann sputen, weil wir dadurch erst um 10.30 den Hafen verließen. An der Schleuse Hohenwarthe hatten wir 30 Minuten Wartezeit. Der Höhenunterschied beträgt 19 m, so dass das Schleusen alles in allem mindestens eine Stunde in Anspruch nahm. Es war ein heftiger Wind unterwegs, was sich oben angekommen auch unangenehm bemerkbar machte. Am Wasserstraßenkreuz fragte Klaus erwartungsvoll nach unseren Passieraussichten. Antwort: „Losfahren und zwar zügig!“ Der Wind wehte mit gefühlten 6 Bft durch unsere Jacken. Aber die Aussicht über das grüne Land entschädigte. Es gab vermehrten Binnenschiffsverkehr und wir mussten gehörig aufpassen, zumal auch noch einige Baustellen auf dem Mittellandkanal vorhanden waren. An einer Stelle gab es ein Getümmel von Binnenschiffen und Arbeitsschiffen, dazu Polizei, die hier ihren Standort hat, so dass uns dort nichts anderes übrig blieb, als eine Kehrtwende zu machen und abzuwarten bis sich alles einigermaßen entzerrt hatte. Als Sportboot ist man immer im Nachteil bei diesen Aktionen. Dann fuhr vor uns gemächlich ein Frachtschiff aus Groningen und das Überholen war erst einmal nicht möglich. Nach längerer Zeit wagten wir es endlich, doch hatten uns diese ganzen Manöver viel Zeit gekostet und so landeten wir in Rühen, einem 24-Stunden-Anleger, an. Rühen war der Grenzübergang für Frachtschiffe zu DDR-Zeiten, jetzt ist davon aber nichts mehr zu sehen. Auf die 10 km bis Wolfsburg hatten wir keine Lust mehr, denn es war mittlerweilee 19 Uhr geworden.

An der Schleuse Sülfeld gab es aus unerklärlichen Gründen eine längere Wartezeit. Durch die vorhandenen Schwimmpoller sind die 9 m Höhenunterschied hier ohne großen Aufwand zu bewältigen. Es war dann bei der Weiterfahrt wieder ein ordentliches Gewühle und wir mussten unsere ganze Aufmerksamkeit einsetzen, um von den Binnenschiffen nicht abgedrängt zu werden. Klaus stellte plötzlich fest, dass wieder mal Wasser im Schiff war. Offenbar eine undichte Schelle. Im Sehnder Hafen fanden wir freundliche Aufnahme. Klaus rief dann bei Ulli an, dem uns bereits bekannten Monteur im Hafen Minden, der sich freute, uns Freitag begrüßen zu können. Vor dem Ablegen am nächsten Morgen fuhr ein Eiltank in hoher Geschwindigkeit mit riesiger Welle vorbei. Ein Ächzen, ein Knall: ein Ende war gerissen. Glücklicherweise sind wir immer gut gesichert, so dass die Andante keinen Schaden nahm. Die Binnenschiffer sind Sportbooten gegenüber doch sehr rücksichtslos, das mussten wir auf dem Mittellandkanal öfter feststellen. Das Verkehrsaufkommen war auch höher als vor zwei Jahren. Start 9.30, Erreichen der Schleuse Anderten nach 10 km. Ein weiteres Sportboot legte hinter uns am Anleger an. Der Schleusenmeister gab uns etwas verwirrende Anweisungen, die durch den Lautsprecher verzerrt herüberkamen. Als wir dann einfahren wollten, schaltete er auf rot. Irgendwann wurden wir endlich eingelassen und machten ordnungsgemäß fest, da hier ja immerhin 14 m herunterzuschleusen sind. Der Schiffsführer des mit uns eingefahrenen Sportbootes war ausgestiegen und stand noch immer mit dem Ende in der Hand da, als wir schon ein weites Stück heruntergeschleust waren, so dass er nicht mehr auf sein Schiff kam. Der Schleusenmeister gab die Anweisung, das Ende endlich loszulassen, was der Skipper dann mit ungläubigem Blick auch tat. Dann wollte er auf der Treppe heruntersteigen, wozu seine Frau das Boot verholen musste. Das Benutzen der Treppe wurde dem Skipper ebenfalls untersagt. Ich sagte der Frau, die das Schiff nicht mehr alleine halten konnte, sie solle den Motor anmachen und sich an unsere Seite legen. Sie hätte das Schiff nie gefahren, meinte sie. Ich bat den Matrosen des vor uns liegenden polnischen Frachters, ein Ende an sein Schiff zu nehmen. Das tat er auch und es ging weiter abwärts. Unten angekommen warf er die Leine los, machte den Motor an und strömte uns demzufolge natürlich an, so dass die alleinstehende Matrosin mit ihrer Yacht heftig ins Schlingern kam. Wir schauten mit gemischten Gefühlen zu, aber sie lädierte dann doch nur die Seereling ihres eigenen Schiffes beim Rammen der Schleusenwand an Steuerbord, dann an Backbord, aber glücklicherweise nicht unsere Andante. Endlich gelang es ihr auszufahren und irgendwo ihren Mann aufzunehmen. Fazit: Beim Abwärtsschleusen nie das Schiff verlassen, könnte gefährlich werden.

Wir erreichten Idensen bei ziemlichem Wind, doch die schmale Hafeneinfahrt nahmen wir ohne Probleme. Beim Blick in die Bilge staunten wir nicht schlecht und ich hoffte, am Morgen nicht im Wasserbett aufzuwachen. Unser Beten half, aber Schöpfen blieb uns nicht erspart. Auf der Fahrt bis Minden-Hahlen war es größtenteils meine Aufgabe, die Bilge trocken zu legen. Unterwegs gab es ein Wiedersehen mit Thyss von der Ithaka, den wir 2006 auf unserer Stettin-Fahrt kennengelernt hatten. Wir versprachen, einen Platz im Mindener Hafen für ihn zu reservieren. So saßen wir später mit Thyss und Trude zusammen, nachdem Ulli sich schon einmal einen Überblick über unser Problem verschafft und versprochen hatte, den Schaden am Wochenende zu beheben. Dazu musste die Andante allerdings aus dem Wasser.