MS Andante


Neuruppin, Rheinsberg – viel Natur und etwas Kultur

23.06. – 06.07.2010

Mittwoch, d. 23.06.

Pohlesee – Niederneuendorfer See

Mittags verabschiedeten wir uns aus dem Pohlesee und machten uns auf zum Niederneuendorfer See, um dort Renate und Jochen zu treffen und auf unser Schiff zu holen. Wir hatten am Vortag das Beiboot aufgepumpt und alles lag bereit, Betten waren gemacht für die Gäste, Platz geschaffen für den Inhalt ihrer Taschen, Kühlschrank (fast) gefüllt. Es sollte zunächst nach Neuruppin gehen, bis dorthin wollten uns Gisela und Ernst John mit der Acadia begleiten. An der Schleuse Spandau sahen wir Horst Hein (wir kennen ihn von den Polentouren) neben seiner Barbarossa beim Kaffee sitzen. Er winkte und rief herüber, dass wir doch kurz anlegen sollten. Das taten wir dann auch und plauderten über alte und neue Zeiten, wie es sich gehört. Wir ankerten dann am Spätnachmittag im Niederneuendorfer See und saßen kurze Zeit später auf Renates und Jochens Terrasse beim Abendessen. Als wir zum Boot zurückkehrten, hatte die Acadia angelegt. Ernst hatte sogar unsere Flagge bei Sonnenuntergang ordnungsgemäß eingeholt. Erwischt!

Donnerstag, d. 24.06.

Niederneuendorfer See – Kremmen

Gegen 12 Uhr kamen Jochen und Renate an Bord und das Abenteuer konnte beginnen. Kremmen erreichten wir bei gutem Wetter gegen 17 Uhr, wo an der See-Lodge Filmaufnahmen für eine Seifen-Oper imgange waren, so dass wir aufpassen mussten, nicht ins Bild zu kommen. Das wollten wir auf keinen Fall, denn man erklärte uns, dass wir dann noch länger bleiben müssten, weil wir ja im weiteren Verlauf des Films nicht hätten einfach fehlen dürfen. Wir erreichten dann aber doch unbehelligt die Terrasse des Restaurants, um ein gutes Abendessen einzunehmen. Da Ernst mit auf Tour war, Ihr erratet es schon, durfte der Sundowner anschließend auf der Andante nicht fehlen.

Freitag, d. 25.06.

Kremmen – Alt-Ruppin

Am Morgen wagten wir uns alle ins Wasser. Ich kann Euch sagen, es war ziemlich kalt ( 15°), man gönnt sich ja sonst nichts. Danach aber fühlten wir uns fit für die Weiterfahrt um 10 Uhr. Bevor wir zum Ruppiner See kamen, fuhren wir durch eine wunderschöne unter Naturschutz stehende Landschaft. Nach der Schleuse Altfriesack kommt man auf den Ruppiner See, wo wir uns links hielten, um in Wustrau erst einmal anzulegen, uns umzuschauen und auf dem Marktplatz im Café ein schönes Eis bzw. Kuchen zu uns zu nehmen. In Wustrau ist der Reitergeneral Hans Joachim von Ziethen geboren. Sein Grab kann man hier besuchen. Wir bewunderten einen Radfahrer, der mit seinem Fahrrad aus Berlin angekommen war und ebenfalls weiter nach Neuruppin wollte, um sich mit Freunden zu einer weiteren Tour zu treffen. Während der Weiterfahrt Richtung Neuruppin beschlossen wir, vor Alt-Ruppin zu ankern, denn das Wetter wurde herrlich, zu schade, um in den Hafen zu gehen und dort zu übernachten. Nach einem weiteren Bad im See zauberte Renate einen wohlschmeckenden Kartoffelsalat, den wir mit unseren Bratwürsten zusammen verspeisten.

Sonnabend, 26.06.

Alt-Ruppin – Neuruppin

Gegen Mittag verlegten wir die Andante nach Neuruppin in den Motorbootclub e.V., wo wir freundlich empfangen wurden. Es waren noch ausreichend Plätze frei. Der Anleger ist noch nicht in Topform. Für Boote unserer Größenordnung muß man ganz schön herumknüppern, um alles ordentlich festmachen zu können. Aber es klappte letztendlich, dank unserer langjährigen Erfahrung. Anschließend sahen wir uns die Stadt, in der Fontane und Schinkel geboren sind, an. Wir beschlossen, abends im Siechenhaus Up-Hus (inzwischen ein Restaurant) essen zu gehen. Das war eine gute Entscheidung, das Essen schmeckte und wir trafen den Radfahrer wieder. Dann ging es zur Seebühne, wo das Konzert stattfand. Es wurde empfindlich kühl, so dass ich in der Pause mit Jochen zusammen noch wärmere Jacken holte, um gemütlich das Konzert zu genießen. Der zweite Teil bescherte uns den aufgehenden Vollmond, einen beleuchteten Segler, schöne Musik und ein tolles Feuerwerk. An Bord nahmen wir noch einen Schluck Wein auf die bevorstehende Hochzeit von Andrea und Taras und auf das Baby Silas, das im September zur Welt kommen wird.

Sonntag., d. 27.06.

Neuruppin – Lehnitzsee

Wir verabschiedeten uns von Gisela und Ernst, die weiter nach Lindow fahren wollten. Um 10.30 legten wir ab und nahmen uns vor, bis in den Lehnitzsee zu fahren. Es war ziemlich heiß und wir freuten uns darauf, zu ankern und ein erfrischendes Bad zu nehmen. Ganz so erfrischend war es inzwischen nicht mehr, denn das Wasser hatte sich ziemlich aufgeheizt. Im Sonnenuntergang erfreute uns ein Gläschen Wein als Schlummertrunk.

Montag, d. 28.06.

Lehnitzsee – Kuhwallsee

Wir starteten relativ früh und ein Wunder geschah, denn vor der Schleuse mussten wir kaum warten. An der Schleuse Lehnitz kann man, wenn man Pech hat, schon mal 4 Stunden stehen – oder auch mehr. Diese Schleuse ist schon recht beeindruckend und die Andante erschien uns mal wieder recht klein in Anbetracht der hohen Schleusenmauern. Weiter ging es zur Schleuse Liebenwalde, siehe da, niemand außer uns wollte jetzt hier durch und so waren wir gut in der Zeit, um noch in Liebenwalde anzulegen und den Kühlschrank ein wenig aufzufüllen. Der Hafen ist kurz hinter der Schleuse und als wir dort einbogen, rief plötzlich ein junger Mann verzweifelt, wir hätten seine Angelsehne in der Schraube. Und tatsächlich schleppten wir dergleichen hinter uns her. Klaus legte kurz den Rückwärtsgang ein, aber die Angel am Ende der Sehne brach durch. Als wir am Anleger waren, kam uns der junge Angler aufgeregt entgegen. Ich sagte, dass wir keine Pose gesehen hätten oder etwas, was auf Angler hinweisen könnte. Er hätte Grundangeln gemacht! Wir gaben ihm unsere Adresse und versprachen, seine Rechnung, wenn er sie uns geschickt hat, der Haftpflichtversicherung einzureichen. Nach dem Einkauf ging es weiter durch die Schleuse Zehdenick bis zum Kuhwallsee. Das herrliche Wetter begleitete uns, so dass ein Badenachmittag bevorstand und wir uns beeilten, um in dem fast leeren See an alter Stelle zu ankern.

Dienstag, d. 29.06.

Kuhwallsee – Stolpsee

Die Schleusen waren problemlos. In Bredereiche hielten wir an, um unsere Trinkwasserflaschen aufzufüllen. Also aßen wir gleich in dem Restaurant am Wasser eine Kleinigkeit. Die Fahrt bis zum Stolpsee führte durch wunderschöne Natur, die uns immer wieder begeistert. Hier suchten wir uns eine schöne Bucht zum Ankern. Es war heiß! Abends nahm der Wind zu. Ich telefonierte mit Oliver, der auf seinem Wetterradar nachschaute und meinte, dass zwar eine dicke Wolke aus West unterwegs wäre, sie aber wahrscheinlich an uns vorbeischrammen würde. Wir verlegten uns an einen Platz, der windgeschützter erschien. So wurde es eine ruhige Nacht, nicht einmal Regen erreichte uns.

Mittwoch, d. 30.06.

Stolpsee – Zootzensee

Ab hier waren die Schleusen Richtung Müritz gut gefüllt. Es waren ausreichend Charterschiffe unterwegs, weshalb Wartezeiten entstanden. Mit einem genauen Zeitplan kommt man hier ganz schön ins Schwitzen. Klaus rief Tina und Jörg an, die auch in dieser Gegend Urlaub machten und, wie sich herausstellte, im Pälitzsee ankerten. Wir machten sie dort ausfindig, legten uns an ihre Seite und blieben ca. zwei Stunden hier gemeinsam liegen. Wir wollten aber noch ein bisschen weiter, um diese Nacht im Zootzensee zu ankern, von dem Renate gehört hatte, dass er sehr sauber und klar ist. Er soll Trinkwasserqualität haben und so schien es uns auch. Jochen nahm eine Wasserprobe und nickte wohlwollend und bestätigend. Es waren wenige Schiffe da. Wir genossen das Baden und begossen das Treffen noch mit einem Glas Prosecco.

Donnerstag, d. 01.07.

Zootzensee – Rheinsberg

Die Sonne lockte die Crew früh an Deck, um vor dem Frühstück ausgiebig zu schwimmen. Leider lieben die kleinen Fliegen unser weißes Schiffsdeck, also war Putzen angesagt. Ich hoffe, die Fische mögen diese kleinen Dinger und hatten ein ausreichendes Frühstück. Um 12.30 starteten wir, um nicht zu spät in Rheinsberg anzulanden. Erfahrungsgemäß kommen die meisten Schiffe nachmittags in den Hafen. Die Sternenprinzessin mit Tina und Jörg wollte am nächsten Tag nachkommen. Wir fuhren durch den Zechliner See, der ebenfalls klar und sauber ist. Der Weg nach Rheinsberg ist schmal, vor allen Dingen muss man bei den Brücken zirkeln. Die Wände zeugen von einigen kleineren Begegnungen von Schiffen mit den Brückenpfeilern. Für uns gab es im Hafen noch ein schönes Plätzchen. Die Marina ist recht teuer, jedenfalls bietet sie außer dem Standort Rheinsberg nicht viel. So machten wir uns dann landfein, gingen zum Tourismusbüro, wo wir unsere Karten für die Operngala im Schloßhof abholten. Das hat schon mal geklappt, jetzt brauchten wir nur noch schönes Wetter. Es war heute ganz schön heiß, so dass wir langsam durch den Schloßpark wandelten. Er ist inzwischen wieder hergerichtet und man lässt sich von der Landschaft verzaubern. Da kommt einem dann Tucholskys: „Bilderbuch für Verliebte“ in den Sinn. Das Abendessen wurde an Bord gekocht. Renate, unser exzellenter Smutje, zauberte ein wunderbares Menue.

Freitag, d. 02.07.

Rheinsberg

Da ich früh schon aus dem Bett krabbelte, machte ich mich sogleich auf den Weg, um Brötchen einzukaufen. Beim Bäcker hatten wir gestern gelesen, dass am Sonnabend nur von 6.00 bis 10.00 geöffnet ist. Das ist wohl noch eine Öffnungszeit, die man sich zu DDR-Zeiten geleistet hat. Als ich bei dem noch DDR-mäßig aussehenden Bäcker ankam, waren noch Schrippen in alter Ostqualität vorhanden. Jedenfalls mundete das Frühstück ausgezeichnet, aber Fontanes Behauptung: “Ein gutes Frühstück dauert bis zum Abend!“ konnten wir uns nicht zu eigen machen, denn der Parkspaziergang lockte uns an Land. Wir bewunderten die herrliche Natur, die den schönen Park gestaltet. Auch die Frösche quakten fröhlich und das Gezirpe aus dem Schilf und das Zwitschern der Vögel ließ uns in froher Stimmung zurück zur Andante gehen. Auch Tina und Jörg waren inzwischen eingetroffen. Um noch vor der Operngala unser Abendessen zu uns nehmen zu können, gingen wir um 17.30 zum „Alten Fritz“, ein angenehmes Restaurant mit freundlicher Bedienung und gutem Essen, sehr zu empfehlen.

Anschließend begaben wir uns in den Schloßhof, um die Operngala zu hören, die jährlich von jungen Sängern der Musikakademie aufgeführt wird. Wir waren begeistert von den jungen, frischen Stimmen und dem Charme des Schloßhofes, als die Sonne unterging und die Schwalben, angeregt durch die Musik, ein eigenes Konzert gaben. An Bord saßen wir an dem lauen Abend natürlich noch eine Weile zusammen mit der Besatzung der Sternenprinzessin, redeten über die Musik, Gott und die Welt und schauten in die Sterne. Kann es uns besser gehen?

Sonnabend, d. 03.07.

Rheinsberg – Stolpsee

Relativ früh verließen wir unseren Standort. An den Schleusen hatten wir keine großen Vezögerungen. Alles klappte wie am Schnürchen, so dass wir uns im Menowsee eine längere Schwimmpause gönnen konnten. Es war noch immer wunderschönes, vielleicht etwas zu warmes, Wetter. Es ging weiter bis zum Stolpsee, wo wir fast an der gleichen Stelle ankerten wie auf der Herfahrt und kein Wölkchen am Himmel störte den Sonnenuntergang.

Sonntag, d. 04.07.

Stolpsee – Zehndenick

Start wie immer um 10 Uhr. Die Schleusen meisterten wir, wie meistens, mit Bravour. Und dann mußten wir natürlich noch einen Abstecher in den Kuhwallsee machen, denn wir hatten wieder Lust auf ein schönes Bad. Ich merke gerade, das war ein richtiger Badeurlaub. Unser Ziel für heute war die Marina Zehdenick, wo Renate und Jochen ein Treffen mit der Familie Wallner, die aus Heiligensee nach Zehdenick gezogen ist und dort die Marina und das Schloßhotel betreibt, ausgemacht hatte. Sie fühlen sich hier sehr wohl – na ja, die Stadt Berlin ist nicht weit und die neue Aufgabe macht offenbar Spaß.

Montag, d. 05.07.

Zehdenick – Niederneuendorfer See – Spandau

Start um 9.30. Wie sich herausstellte, war durch Charterboote und Ferien einiges los an den Schleusen, so dass man die ganze Aufmerksamkeit beim Fahren benötigte, zumal einige Bootsfahrer meinten, sie allein hätten die Vorfahrt und beim Schleusen hätte man auf sie Rücksicht zu nehmen. Es waren auch viele Niederländer unterwegs, die ja sehr gern in unsere Gegend kommen. Aber wir meisterten das Gewühle dank Jochens und Renates Mithilfe sehr gut. Weißens wurden um 18 Uhr im Niederneuendorfer See abgeladen. Wir schipperten noch weiter bis zu unserem Ziel in Spandau, dem Anlieger Schiffbauer Damm. Die Spandauer Schleuse bediente uns zügig, so dass wir bereits um 20.30 anlegen konnten. Heute abend war es ein wenig kühler und wir schliefen ausgezeichnet.

Dienstag, d. 06.07.

Spandau – Pohlesee

Nach dem Frühstück und einem Plausch mit unseren holländischen Mitanlegern ging es weiter zu unserem Hafen. Alles wurde gut gesichert, die Sachen gepackt und auf ging es nach Hause, wo wir nach einem Einkauf bei Reichelt um 14.30 anlangten.

Fazit: Mit so netten Mitfahrern im Havelland unterwegs, da kann nichts schiefgehen. Es war eine gute Idee, Kultur mit Natur zu verbinden, zumal das Wetter uns gewogen war. Fontane hätte seine Freude an uns gehabt, nur konnten wir unseren Tag nicht mit Austern und Chablis beginnen – das wäre zu viel Luxus gewesen. Das Land Brandenburg bietet uns eine wunderschöne Natur und wir können Fontanes Begeisterung nur teilen.