MS Andante


Schwielochsee

16.05. – 22.05.2005

Nach der Rückkehr von Sylt, wo das Wetter leider ziemlich schlecht war, wurde es hier plötzlich sehr schön, und so trieb es uns auf die Andante. Vor einigen Jahren hatten wir vergebens versucht, den Schwielochsee zu erreichen. Niedrigwasser auf der Spree hinderte uns damals jedoch daran. Da der Frühling noch keine Trockenheit gebracht hatte, machten wir uns auf den Weg bzw. die Wasserstraße in Richtung Südost. Wir fuhren zunächst über den Teltowkanal bis in den Seddinsee, wo uns dann ein Regenguss überraschte. Doch wir fanden einen schönen Ankerplatz und machten uns einen gemütlichen Abend. Von hier aus fuhren wir am nächsten Morgen bei schönem Wetter in den Oder-Spree-Kanal ein und passierten dann auch bald die Schleuse in Wernsdorf. Der Oder-Spree-Kanal ist sehr wenig befahren, nur ab und zu trifft man ein weiteres Sportboot. Ein Frachtkahn begegnete uns nicht. Die Schleuse Große Tränke, km 69, wird zurückgebaut, da sie nur Hochwasserschutzfunktion hat. In Fürstenwalde gibt es eine weitere Schleuse, gleich danach bogen wir links ein, unterfuhren eine Brücke, machten an der Kaimauer in der Stadt fest und erkundeten erst einmal den Ort. Fürstenwalde hat sehr unter dem zweiten Weltkrieg gelitten und ist bemüht, wieder zu einem attraktiven Platz zu werden. Man kann das spätgotische Rathaus, den Dom und Reste der Stadtmauer besichtigen. Auf jeden Fall gab es ein gutes Eiscafé, das wir natürlich aufsuchten. Ein paar Vorräte für die Weiterfahrt wurden eingekauft, das Abendessen gab es an Bord und die Nacht verbrachten wir an diesem Anleger in aller Ruhe. Hinter uns hatte sich ein Schiff aus Hamburg vertäut, das eine Fahrt über die Oder vor sich hatte. Auch das müssen wir uns für das kommende Jahr einmal vornehmen.

Am nächsten Morgen ging es weiter auf dem Oder-Spree-Kanal Richtung Müllrose. Auch heute trafen wir kaum Schiffsverkehr an. Am km 89 gibt es nochmals eine Schleuse, Kersdorf, zu bewältigen. Am km 95 biegt man dann in den Speisekanal Neuhaus ein. Ein schmales Gewässer führte uns weiter bis zur nächsten Schleuse Neuhaus, an der nette Menschen ihr Arbeitsgerät beiseite räumten und den Weg in das Schleusenbecken freigaben. Der Schleusenwärter war gerade beim Grasmähen, freute sich aber über die Unterbrechung und ein kleines Schwätzchen während der Schleusung. Er erzählte uns, dass leider der Wassertourismus nicht sehr vorankommt. Eine Verbindung über die Spree nach Märkisch Buchholz soll angeblich in den nächsten Jahren geschaffen werden. Gleich nach der Schleuse durchfährt man den Wergensee, wo die Drahendorfer Spree, die vor der Schleuse Kersdorf den Oder-Spree-Kanal verlässt, mittels einer Schleuse einmündet. Dieser Spreeteil ist jedoch nur für kleinere Sportboote geeignet, da hier eine Wassertiefe von 1 m angegeben wird und außerdem bei Drahendorf ein Wehr zu überwinden ist, d. h. die Boote müssen hier mit einer Bootsschleppe umgesetzt werden. Für uns also nicht möglich. Nun ging es ganz gemütlich weiter durch eine zauberhafte, verträumte Landschaft bis nach Beeskow. Die Schleuse Beeskow geht automatisch, d. h. sie öffnet in Richtung Schielochsee zu jeder vollen Stunde, entgegensetzte Richtung jede halbe Stunde. Der Anleger ist hier für größere Boote etwas ungünstig, d. h. ziemlich primitiv. Beeskow ist ein hübsches Städtchen mit alten Fachwerkhäusern, Burganlage etc., wir wollten jedoch noch weiterfahren und legten nicht an. Plötzlich winkte uns eine Frau am Ufer, auf einem wackligen Steg stehend, zu, an ihrer Seite ein kleiner unglücklich aussehender Hund. Er hatte seinen Ball ins Wasser geworfen und traute sich nicht hinein. Frauchen bat uns dann, doch das Spielzeug ihres Lieblings zu retten. Das taten wir dann über die Badeplattform und ich warf den Ball zurück, was sogar klappte, was erstaunlich ist, denn meistens fällt der Ball bei meinen Würfen eher nach hinten als dass er das Ziel erreicht. So waren alle glücklich, ich über das Erfolgserlebnis, Hund und Frauchen über den zurückgewonnenen Ball und Klaus darüber, dass er für diesen Tag seine gute Tat nun vollbracht hatte.

Wir fuhren also weiter die Spree entlang, wo alles sehr verwunschen und bewachsen aussieht. Die Spree windet sich durch die Natur, so dass wir manchmal Zweifel hatten, ob wir noch auf dem richtigen Weg waren oder uns bereits die Außerirdischen verschleppt hatten. Dann erreichten wir den Leißnitzsee, den Glower See und sahen auch wieder Menschen am Ufer, die uns freundlich zuwinkten und so fühlten wir uns willkommen, denn sie sahen nicht wir Marsmenschen aus. Aufgrund der vor Jahren gemachten Erfahrungen mit dem flachen Wasser, also Aufsetzen etc., hielten wir uns genau an die Betonnung. Hinter Glowe kamen wir dann auf den Schwielochsee. Wir beschlossen weiter bis zum Ende des Sees nach Goyatz zu fahren. In der Karte waren Hungersteine vermerkt, was bedeutete, dass wir uns auch hier vorsichtig vortasteten. Da vor uns ein Ausflugsschiff fuhr, richteten wir uns nach dessen Fahrtroute. Goyatz liegt in einer Art Wurmfortsatz. Hier gibt es auch einige Vereine und da es dem Abend zuging, wollten wir einen Anleger finden. In den Vereinen war niemand zu sehen, den wir nach Anlegemöglichkeiten fragen konnten, doch von dem Ausflugsdampfer, der uns die Richtung gewiesen hatte und seine Abendposition eingenommen hatte, erklärte uns ein Besatzungsmitglied, dass wir doch an dem Restaurant Hafenterrasse anlegen sollten. Das wäre schon ok. Das taten wir dann auch. Wir erkundigten uns, ob wir hier über Nacht bleiben dürften. Auch das war in Ordnung und so gingen wir dann natürlich in den Hafenterrassen essen. Hierbei handelt es sich um eine alte Pferdebahnstation, dem Speicher des Verladebahnhofs der Cottbus-Schwielochsee Eisenbahn (1846 – 1879) (http://www.hafenterrasse.de/). Im Innern kann man alte Bilder und die entsprechenden Beschreibungen ansehen.

Der nächste Morgen war wunderschön, nur Klaus sagte, er müsse nach den Batterien sehen und Wasser aufgießen. Tatsächlich, es fehlte bei den Versorgerbatterien destilliertes Wasser. So machten wir erst einmal einen Spaziergang und besorgten im Ort einen großen Behälter voll. Es war harte Arbeit, an die Batterien zu kommen. Nachdem wir das geschafft hatten, gingen wir erst einmal auf der Terrasse Kaffee trinken. Danach machten wir uns langsam auf, um in einer Bucht vor Niewitsch zu ankern und natürlich zu baden. Beim Abendessen genossen wir einen herrlichen Sonnenuntergang.

Am nächsten Tag begaben wir uns auf den Rückweg und legten für die Nacht wieder in Fürstenwalde an. Wir spazierten durch den abendlichen Ort, kauften noch ein paar Getränkevorräte ein und Klaus aß, wie üblich, ein Eis. Nicht wirklich früh am nächsten Tag, einem Freitag, machten wir uns wieder auf zum Seddinsee, um dort zu übernachten. Am Sonnabend vormittag begannen wir die Rückfahrt und wollten in Berlin Stadtmitte einen Anleger für die Nacht suchen. In Berlin jedoch war die Hölle los, natürlich auch auf dem Wasser. Wohl alle Boote, die noch irgendwie seetüchtig waren, waren auf der Spree durch Berlin unterwegs. Wir hatten natürlich nicht daran gedacht, dass das Turnfest seinem Ende zugegangen war und die Sportler und Touristen noch in der Stadt waren und durch Berlin zogen. Wir mussten sehen, dass wir heil durch die Stadt kamen, vorbei an den Spree-Strandbars, wo Menschen dirchtgedrängt die Sonne genossen, mit genügend Abstand zu den zahlreichen Ausflugsschiffen. An einen freien Anleger war natürlich nicht zu denken. Der Trubel traf uns nach den ruhigen Tagen doch ein wenig heftig, und so fuhren wir weiter bis nach Spandau, um dort die letzte Nacht auf unserer Rücktour zu verbringen. Wieder einmal ein Abendessen in “Stube und Küche”. Der Sonntag brachte uns mit einer kleinen Pause im Berliner Yacht Club in den Pohlesee zurück.

Fazit: auch dieser Ausflug hatte sich gelohnt!