MS Andante


Saisonstart

April/Mai

Die Bootssaison begann anders als geplant. Zunächst hielten uns einige Holzarbeiten im Schiff wegen des kühlen Wetter vom frühzeitigen Slipen ab. Aber wir wollten uns ja diesmal wirklich nicht hetzen, zumal ich mit Beginn meines Rentendaseins mehr Zeit für den Wassersport haben werde. Nachdem wegen der Schleifarbeiten das ganze Schiff incl. Matratzen ausgeräumt und dann in mühsamer Arbeit wieder vom Staub befreit werden musste, putzten und polierten wir fleißig am Schiffsrumpf und hatten die Andante dann am 22. April fertig für die Wasserung. Da wir in der vergangenen Saison ständig Wasser im Schiff gehabt hatten, hatte Dieter Gaede, wie er uns sagte, alles abgedichtet. Oliver fuhr uns also mit allen unseren Vorräten morgens nach Prieros, und wir warteten bei strahlendem Sonnenschein, aber recht kühlen Temperaturen, darauf, dass der Kran die Andante in ihr feuchtes Element hieven würde. Gegen 13 Uhr schwamm sie dann, präzise von Vater und Sohn Wendisch ins Hafenbecken gesetzt. Nun mussten wir nur noch Trinkwasser bunkern, kein Problem, da der Schlauch keine Eisstange wie im Vorjahr enthielt. Der Motor lief, die Wasserkühlung feunktionierte. Ich fragte nach kurzer Zeit vorsichtig nach, wann wir denn starten könnten. Klaus sagte, ich solle nicht so ungeduldig sein, schließlich müsse er ja erst in der Bilge nach dem Rechten sehen. Als er wieder auftauchte, sah ich sein enttäuschtes Gesicht: “Es läuft mehr als vorher und zischt sogar!” Er rief dann Dieter an, der versprach, sofort zu kommen. Ich machte mich auf ins Dorf, um zum Trost ein Stück Kuchen zu kaufen, weil ich dachte, so ließe sich das alles besser ertragen. Auf dem Rückweg traf ich Dieter mit seinem “Fritenöl-Auto”. Auch er verschwand schleunigst in der Bilge, tauchte wieder auf, gab Vater und Sohn Wendisch ein Zeichen und da stand das Schiff wieder auf dem Hänger. Die Vermutung, die Klaus geäußert hatte, dass es sich um Undichtigkeiten am Wellenrohr handeln müsse, verstärkte sich. Ich saß etwas verloren da und fühlte mich heimatlos, denn zu allem Unglück waren in unserer Wohnung die Handwerker, die Küche, Bad und Kammer mehr oder weniger unbewohnbar gemacht hatten. Undichte Rohre! Für das Wochenende, so hatten wir geglaubt, auf der Andante gut aufgehoben zu sein. Aber nichts da! Also waren wir abends gegen 20 Uhr wieder in unserer eher ungemütlichen Wohnung in Wilmersdorf.

Wie frustriert wir waren, kann sich sicher jeder vorstellen, denn wir hatten ja auf einen schönen Saisonbeginn gehofft. Nun begann das Telefonieren und Warten auf das in Holland bestellte Wellenrohr, denn dieses war tatsächlich das corpus delicti. Wir dachten, na, bei unserem Glück in diesem Jahr kann das eine Weile dauern. Aber es kommen auch immer wieder bessere Zeiten und so waren wir am folgenden Freitag schon wieder auf dem Weg nach Prieros, um der Wasserung unserer Andante zuzusehen. Und es klappte, auch Wasser drang nicht ins Schiff. Sollte dies nun endgültig behoben sein? Leider konnten wir nicht gleich am Freitag losfahren, weil wir noch in Seddin eingeladen waren. Aber am Sonnabend, d. 30.04., fuhren wir mit S-Bahn und Bus morgens zum Hafen Wendisch und nach prüfendem Blick in die Bilge und einem begeisterten ‘Hurra’ aus Klaus’ Mund machten wir uns dann um ca. 12 Uhr bei strahlendem Sonnenschein auf in Richtung Berlin. Unterwegs hielten wir noch bei Hanne an, um ein paar Worte zu wechseln und eine schöne Saison zu wünschen. Klaus verschwand einige Male unter Deck und schaute erwartungsvoll in die Bilge. Er meinte dann, es sähe so aus, als würde es eine langweilige Saison werden, ohne Wasserschöpfen. Er müsse sich ein neues Betätigungsfeld suchen. Ich schlug ihm vor, es doch stattdessen mit Putzen zu vesuchen. Da am Sonntag Ansegeln im BYC war, fuhren wir nicht durch die Stadt, sondern nahmen den kürzeren Weg durch den Teltowkanal. Wir wollten im Jungfernsee ankern, um am nächsten Morgen im Club sein zu können. Dafür mussten wir uns ein wenig sputen, um vor Einbruch der Dunkelheit an Ort und Stelle zu sein, zumal man an der Schleuse Kleinmachnow mit Wartezeiten rechnen muss. Plöltzlich, ca. 3 km vor der Schleuse, sahen wir eine Schute quer treiben. Klaus meinte, wir könnten uns am Heck vorbeimogeln. An Steuerbord stand auf einer weiteren am Ufer befestigten Schute ein Wasserschutzpolizist und versuchte, durch geschicktes Werfen eines Endes, den Kahn einzufangen. Dies gelang ihm aber nicht. Wir fragten, ob wir passieren könnten, und er meinte, wenn wir das Ende am Kahn befestigen würden, wäre das kein Problem mehr. Klaus manövrierte die Andante geschickt, so dass ich die Leine übernehmen und an einer Klampe des Kahns befestigen konnte. Danach begaben wir uns schnell aus der Gefahrenzone und die Wasserschutzpolizisten konnten den Kahn an Land ziehen und vertäuen. Nachdem wir uns vergewissert hatten, dass wir nicht mehr helfen konnten, verabschiedeten wir uns. Kaum außer Sichtweite, gaben wir ein wenig Gas, weil es immer später und damit dunkel wurde. Als wir uns an der Schleuse anmeldeten, wusste die Schleusenwärterin bereits Bescheid und die Tore öffneten sich nach relativ kurzer Zeit, so dass wir einfahren konnten. Danke dafür an die Polizisten, die uns offenbar avisiert hatten. Die verlorene Zeit hatten wir so wieder eingeholt. Rechtzeitig vor Einsetzen der Dunkelheit ließen wir an der vorgesehenen Stelle den Anker fallen, bereiteten unser Abendessen und fielen danach müde in die Kojen.

Am Morgen strahlte auch wieder die Sonne, schließlich war 1. Mai, aber nach einem Blick auf das Badethermometer, 11,5 Grad, badete ich lediglich meine Füße im See und nahm stattdessen eine warme Dusche. Dieter und Tina kamen etwas später vorbei, legten sich längsseits und begrüßten uns zur neuen Boots-Saison. Sie verlegten sich eine Stunde später in den Lehnitzsee. Wir lichteten Anker und fuhren in den Club, um dort auch Burkard, der gerade von der Reha zurückgekehrt war, zu treffen. Wir freuten uns, dass es ihm mit dem neuen Hüftgelenk schon so gut ging. Dann saßen wir natürlich im Garten, trafen nach dem langen Winter die Clubkameraden wieder und tauschten die Winter-Erlebnisse aus.

Und abends lag die Andante dann wieder an ihrem angestammten Platz im Pohlesee, innerlich endlich richtig trocken. Ein freundlicher Bootsnachbar nahm uns mit in die Stadt und setzte uns am Bundesplatz ab. Nun mussten nur noch zu Hause die Handwerker ihr Werk vollenden. Das taten sie dann am Mittwoch, worauf ein intensives Putzen in der Wohnung einsetzte, aber das kannten wir ja bereits in diesem Jahr vom Boot. Staub dringt leider in alle Ritzen.