MS Andante


Sommertour 2004


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Berlin – Müritz – Schwerin und zurück

SonnenuntergangAus irgendeinem Grund hatten wir, Klaus und Karin, Schwierigkeiten, unseren diesjährigen längeren Urlaub zu planen. Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, Renate und Jochen in Mexiko zu besuchen. Da Renate aber öfter in Berlin sein musste, konnten wir uns nicht auf einen Termin festlegen. Nun muss man sich ja im Leben immer nach anderen Dingen richten, wie z. B. dem Wetter, also der Regenzeit in Mexiko, dem Zeitpunkt, an dem der noch arbeitende Partner Urlaub nehmen kann, den Flugangeboten etc. Anfang Juni überlegten wir dann, dass wir Mitte Juli den Ausflug über den großen Teich in Angriff nehmen könnten, gleich zu Beginn der Semesterferien. Dann aber kam noch Krankheit dazwischen, so dass wir dann entgegen unserer ursprünglichen Planung beschlossen, den ganzen August über auf der Andante zu verbringen. Obwohl wir schon zweimal auf der Mecklenburgischen Seenplatte gewesen waren, stellten wir uns vor, dass es dort immer etwas Neues zu entdecken gibt. Nach dem leicht verregneten Juli erwarteten wir vom August Sonnenschein und das trat auch ein.

Nachdem wir noch am Sonnabend mit Freunden eine Stadtrundfahrt gemacht hatten, starteten wir erst am Sonntag ca. 17.30 natürlich wieder zur ersten Station im Niederneuendorfer See. Wir wollten möglichst am Mittwoch Abend bereits in Waren sein, weil ich mich zu einem Kurs für den Motorbootführerschein Binnen angemeldet hatte. Zum Muttertag hatte ich nämlich von Klaus und Oliver schon das entsprechende Lehrbuch erhalten, und so fühlte ich mich dann auch verpflichtet, diese Prüfung zu machen. Ich wollte mich aber nicht wochenlang damit herum schlagen und fand das Angebot, innerhalb von drei Tagen den Schein Karinmachen zu können, sehr verlockend. Ich zweifelte allerdings schon vorher daran, dass ich das in meinem Alter noch so schnell auf die Reihe bringen würde. Wir kamen dann auch wirklich am Mittwoch in Waren an und das war auch gut so, denn ich musste mich erst einmal erkundigen, wo ich überhaupt hin musste. Ich bekam die Information im Hafen, dass ich mir lieber ein Fahrrad mieten sollte, weil man ziemlich lange bis zu den Prüfungsräumen laufen müsse. Wir mieteten dann auch wirklich Fahrräder und erkundeten die Strecke, denn der Beginn der theoretischen Ausbildung war morgens 8 Uhr. So saß ich dann am Freitag und Sonnabend von 8 bis 13 Uhr aufmerksam beim Unterricht. Nachmittags ging es zum praktischen Teil. Meine Mitstreiter auf dem Trainingsboot waren sehr höflich und ließen mir den Vortritt. Ich hatte nie ein Schiff mit Außendorder gesteuert und gab natürlich viel zu viel Gas, so dass wir ins Gleiten kamen. Oh Schreck, aber unser freundlicher und einfühlsamer Ausbilder regulierte unsere Fehler und gab uns die entsprechenden Anweisungen. Der Sonntag, der eigentliche Prüfungstag, kam dann auch schneller als gedacht. Ich schwitzte doch ganz schön in der kleinen Kabine am Steuer, denn es war auch noch dazu ein herrlich warmer Tag. So gegen 13 Uhr war dann alles geschafft, ich auch! Ich brauchte nach der Anspannung dann erst einmal eine Ruhepause. Trotzdem war ich ganz zufrieden, dass ich mich darauf eingelassen hatte. Abends gingen wir daraufhin erst einmal essen und tranken auch einen schönen Wein dazu.

Am Montag machten wir uns dann weiter auf in Richtung Schwerin, ankerten eine Nacht im Plauer See, um ausgiebig zu baden und die Sonne zu genießen und fuhren dann gemächlich über Lübz und Garwitz durch herrliche Landschaften nach Schwerin. Im Segelclub gingen wir an einen Gastliegeplatz und stellten fest, dass hier eine Regatta stattfand, so dass ordentlicher Betrieb im Hafen herrschte. Leider feierten die Regattateilnehmer bis in die Nacht. Der Discjockey zog die Schallregister derartig weit auf, dass ich erst nach 2 Uhr morgens, als Ruhe herrschte, einschlafen konnte. Nur Klaus hatte die Augen zugeklappt und ließ sich einfach nicht stören. Wie macht er das nur? In Schwerin gibt es viel zu erkunden, so schauten wir auch in die Straßen, in denen die Häuser noch nicht so schön renoviert waren. Wir trafen ein nettes Ehepaar, das mit einem schönen Schiff und einem kleinen humpelnden Hund mit Metall im Hinterbein ebenfalls im Verein lag. Natürlich begegneten wir diesen auf dem Rückweg an unseren anderen Haltepunkten, so dass Andantewir Erfahrungen austauschen konnten. Da das Ehepaar aber aus Süddeutschland kam, schon auf Rente war und deshalb mehr Zeit hatte, erzählte es uns von ihren Reisen bis nach Paris, den Tücken der Tunnel in Frankreich und den vielen Schleusen. Sie hatten uns schon einige Bootskilometer voraus. Am Vorabend meines Geburtstags waren wir dann wieder im Plauer See, badeten und kämpften bei Sonnenuntergang mit kleinen Fliegen, die uns umschwirrten, wie Motten das Licht. Nachdem wir mit unserem Abendessen ins Schiffsinnere vertrieben wurden, konnten wir doch später noch einen Absacker an Deck zu uns nehmen, ohne dass die kleinen Fliegen sich rührten. Am Morgen konnte ich mein Geburtstagsgeschenk suchen und freute mich über eine wunderschöne Kette. Dann meinte Klaus, er hätte noch eine Über raschung für mich, ich müsse nur mal ‚rausschauen. Neugierig, wie man ja nun mal ist, blickte ich hinaus und zu meinem Entsetzen war das Schiff über Nacht schwarz geworden. Millionen der kleinen Fliegen hatten sich niedergelassen und ließen sich nicht mehr vertreiben. Da fegten wir dann die toten Tierchen mit dem Handfeger auf die Schaufel und übergaben sie den Fischen, die ein Festmahl hatten. Als wir halb fertig waren, setzten wir uns erst einmal zum Frühstück, das Telefon klingelte laufend und nette Freunde gratulierten. Inzwischen fing es leicht an zu regnen. Nun gab es eine klebrige Masse. Klaus holte dann eimerweise Wasser aus dem See und kippte es an Deck. Ich versuchte, mit dem Scheibenwischer sorgfältig alles wegzuschieben. Es dauerte einige Zeit, ehe wir die “Andante” wiedererkannten und sie ihr strahlendes Weiß zeigen konnte. Das war wirklich eine Geburtstags über raschung, die man nicht zweimal braucht. Nachdem wir dann gebadet und geduscht hatten, ging es weiter nach Waren, weil wir dort am nächsten Tag Freunde aus Berlin an Bord nehmen wollten. Es war natürlich wieder ganz schön windig auf der Müritz, und wir erwischten einen günstig gelegenen Stegplatz mit netten Nachbarn, die gleich mal die Enden übernahmen. Glücklicherweise waren wir nicht so spät gekommen, denn es wurde noch ziemlich voll und man sah viele Kapitäne und ihre Mannschaften Ausschau halten nach einem geeigneten Platz. Nach dem Abendessen an Bord gab es in “Pier 13” noch eine schöne Flasche Wein zum Geburtstags ausklang. Am nächsten Tag füllten wir noch unsere Vorräte auf und holten nachmittags Hella und Arno vom Bahnhof ab. Wir machten mit den beiden einen Spaziergang durch Waren, gingen zum Essen und saßen noch eine Weile an Deck, weil das Wetter so schön war und die Sterne über uns strahlten.

Am Morgen war es noch immer windig, trotzdem brachen wir bald auf. Auf der großen Müritz war natürlich ein ziemlicher Wellengang, aber trotz Bedenken vertrug Hella die Überfahrt sehr gut. Wir landeten dann wieder im Müritzarm an der Stelle, wo die Elde in den Müritzarm mündet. Im Müritzarm sollte man die Angaben in der Karte ernst nehmen, so konnten wir dann auch ein Charterschiff beobachten, das sich festgefahren hatte und erst nach vielen erfolglosen Versuchen wieder frei kam. Wir beobachteten das Wetterleuchten, die vielen Vögel und genossen die Ruhe. Die Bordküche funktionierte auch zur Zufriedenheit aller Mitfahrer. Vom Regen wurden wir ver schont. Alle uns per SMS zugesandtenSeezeichen Wetterwarnungen betrafen uns nicht. Am nächsten Morgen lenkten wir die “Andante” Richtung Rheinsberg. Da wir aber dem Treiben in Rheinsberg noch fernbleiben wollten, ankerten wir auf einem einsamen See kurz davor. Hier waren wir wirklich allein. Ein einziges Schiff kam später noch dazu, war aber am nächsten Morgen auch früh wieder verschwunden. In Rheinsberg erwischten wir aufgrund der relativ frühen Ankunft einen günstigen Stegplatz direkt vor dem Café. Nach einem gemütlichen Spaziergang durch den Schlosspark mussten uns Hella und Arno leider wieder verlassen. Wir begleiteten sie zum Bahnhof und machten uns noch auf zum nahegelegenen neuen Hafenprojekt, das noch nicht fertiggestellt ist, aber einen guten Eindruck auf uns machte. Allerdings fragt man sich, ob diese vielen Hafenprojekte auch wirklich eine Zukunft haben. Erst am nächsten Tag verließen wir Rheinsberg, um langsam die Rückreise anzutreten.

Einen Abstecher machten wir nach Lychen. Die Fahrt durch den sich schlängelnden Woblitz war atemberaubend schön. Man fuhr praktisch mitten durch den Wald und sah dann plötzlich einen Ausflugsdampfer auf sich zukommen. Langsame und aufmerksame Fahrt ist hier angesagt. Wir machten am Orts-Anleger fest, um einen Spaziergang durch die Stadt Lychen zu unternehmen, Eis zu essen, einzukaufen und die weiteren Seen, die das Städtchen umgeben, anzuschauen. Wir beschlossen, die Nacht hier zu verbringen, weil der Platz ruhig gelegen war. Alle anderen Boote hatten den Anleger inzwischen verlassen. Auf der Rückfahrt nach Berlin genossen wir wieder die herrliche Landschaft, ankerten bei strahlendem Sonnenschein im Großen Kuhwallsee und machten natürlich noch einmal im Niederneuendorfer See Station bevor wir in den Pohlesee zurückkehrten. Das Wetter hatte uns vier Wochen lang verwöhnt, es war uns teilweise schon zu warm, Regen gab es selten, und wir kehrten ausgeruht und braun nach Hause zurück.

Es war ein wunderschöner Urlaub und Klaus freute sich schon auf die Woche, die er mit Oliver geplant hatte. Ich musste allerdings wieder ins Institut, aber auch das hat bald ein Ende. Ab 2005 wird es wohl längere und häufigere Touren geben.